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Dr. Christine Eichel über die Kunst von Victoria Rosenman



„Ich will herausfinden, wie intensiv sich ein Mensch einem anderen hingeben kann“, sagt Victoria Rosenman. „Das setzt großes Vertrauen voraus.“ Wer sich ihr ausliefert, lässt sich auf ein gewagtes Spiel ein – die Künstlerin spricht vom „Vernichten der Musen.“ Macht und Abhängigkeit, Vernichten und Erschaffen sind die Themen, die hinter den Bildern aufscheinen. Während die Musen der Antike Künstlern Schutz und Inspiration gewährten, sind sie hier Projektionsflächen, visuelles und psychisches Material. Es geht um Obsessionen, um das Ringen um Identität, auch um die Dekonstruktion gängiger Schönheitsideale.


„Das Bild ist nur ein Zwischenresultat. Das Allerwichtigste ist der Prozess, der dorthin führt, und was danach passiert – kommt eine zweite Phase? Entwickelt man sich gemeinsam weiter oder auseinander?“ So erzählen diese Bilder viel über Beziehungen, über Herrschaftsansprüche und Hingabe, über Konflikt und Passion. Das macht sie wahrhaftig, trotz der hochartifiziellen Ästhetik. Es geht um Existenzielles, und das schließt die Rolle der Künstlerin ein, die sich bewusst ist, wie tief sie in intimste seelische Zonen ihrer Musen vordringt: „Ich beschäftige mich mit Fragen nach Gut und Böse, Schuld und Unschuld, Opfer und Täter.“


Ob aber Gewinner und Verlierer wirklich feststehen, ist nicht endgültig zu entscheiden. Was gelungen genannt werden kann, was Glück sei, diese Fragen lässt Victoria Rosenman offen, indem sie auch dem Zweifel, der Kalamität, dem Leiden eine eigene Schönheit verleiht. Ihre Bilder sind Psychogramme, die Dramen offenbaren, aber auch Ambivalenzen zulassen – trotz der akribischen kompositorischen Vorarbeit. Das gibt den Bildern etwas Kontemplatives, nicht Greifbares, was sie im besten Sinne beunruhigend macht.